Niedrigwassersituation in Wien 2015

Viele Wiener Bäche sind selbst in durchschnittlichen Jahren sehr wasserarm, manche fallen sogar (fast) jedes Jahr irgendwann einmal zumindest abschnittsweise trocken. Bei der Niedrigwassersituation 2015 führten aber auch die sonst wasserreicheren Bäche relativ wenig Wasser. Es handelt sich dabei um das bedeutendste  Niedrigwasserereignis seit zumindest dem Jahr 2003.

Witterungsverlauf

Im Jahr 2015 folgte ein sehr warmer und trockener Sommer auf einen milden Winter und ein im Vergleich zum 30-jährigen Mittel nur knapp überdurchschnittlich warmes, aber bereits deutlich zu trockenes Frühjahr. Von April bis August fiel nur rund halb so viel Niederschlag wie im langjährigen Mittel (wobei es aber auch lokale Unterschiede gibt). Dazu kommt noch das erwähnte weit überdurchschnittliche Sommertemperaturmittel.

Für genauere Angaben zum Witterungsverlauf 2015 wird an dieser Stelle auf die Homepage der ZAMG www.zamg.ac.at (Homepagebereich Klima) verwiesen.

Reaktion der Wiener Bäche

Nachfolgend ein Bericht, der die wichtigsten Ergebnisse der durchgeführten Erkundigungen zusammenfasst. Die Schriftfarbe bringt die überwiegende Wasserführung des jeweiligen Bachs zum Ausdruck (von rot (-> keine oder vernachlässigbare Wasserführung) über orange und grün nach blau (-> Wasserführung von zumindest mehreren Litern pro Sekunde).

Bäche im Nordwesten Wiens

Für den wasserreichsten Bach - den Schreiber Bach - konnte im mittleren Fließabschnitt noch eine Wasserführung von rund 1 l/s festgestellt werden.

Sein nördlicher Nachbarbach Waldbach führte noch ungefähr die Hälfte dieser Menge. Eine ähnliche Wasserführung war auch für den Hammerschmiedgraben im Mündungsbereich festzustellen, wobei davon auszugehen ist, dass dieser Bach zumindest im Oberlauf vollständig trocken gefallen ist (Möglicherweise beruht die auffallend "große" Wasserführung im Mündungsbereich auch auf einem "künstlichen" Zufluss). Der Schabler Bach besaß nur noch abschnittsweise nennenswerte Wasserführung.

Der Nesselbach führt noch wenige Zehntel Liter pro Sekunde während der Reisenbergbach über weite Strecken trocken gefallen ist. Pötzleinsdorfer Bach und Dürwaringgraben wiesen zum Zeitpunkt der Erkundung zumindest abschnittsweise nennenswerte Wasserführung auf.

Der Großteil der Zubringer zum Erbsenbach ist trocken gefallen oder besitzt vernachlässigbare Wasserführung, das gilt auch für den linken Quellbach des Erbsenbachs - den Haidgraben. Der rechte Quellbach - also der Kohlenbrennergraben - , sowie der Spießbach führen hingegen immer noch Wasser. Die Wasserführung des Erbsenbachs in Sievering liegt bei wenigen Zehntel Litern in der Sekunde.

Auch im Einzugsgebiet des Alsbachs sind zahlreiche Bäche über weite Strecken trocken gefallen oder besitzen nur noch vernachlässigbare Wasserführung - darunter auch Kräuterbach und Jägerwiesenbach. Der Anderbach weist hingegen im Bereich der Fassung noch nennenswerte Wasserführung auf. Der rechte Quellbach des Alsbachs - der Dornbach - ist oberhalb der Mündung des Erlenbachs zumindest abschnittsweise trocken gefallen, der linke Quellbach des Alsbachs - der Eckbach - führt teils noch wenige Zehntel Liter in der Sekunde, abschnittsweise ist er aber trocken gefallen, wie auch nachfolgende Abbildung zeigt:

Eckbach beim Niedrigwasser 2015 in Wien-Neuwaldegg
Eckbach in Neuwaldegg

Bäche im Wienfluss-Einzugsgebiet

Der größte (natürliche) Zubringer zum Wienfluss - der Mauerbach - führte zum Zeitpunkt der Erkundung im Mündungsbereich noch mehr als 10 Liter Wasser pro Sekunde. Auf Wiener Gemeindegebiet sind die meisten der kleinen Zubringergräben zum Mauerbach allerdings trocken gefallen oder weisen vernachlässigbare Wasserführung auf. Der Hannbaumbach besitzt im Mündungsbereich noch nennenswerte Wasserführung, der Kolbeterbergbach nur noch im Bereich der Salzwiesen. Von den größeren Bächen führt der Hainbach noch rund 1 l/s, der Steinbach etwas mehr, der Kasgraben rund die Hälfte dieser Menge.

Der Wurzbach führt abschnittsweise noch Wasser, ist aber im unteren Fließverlauf knapp vor der Mündung trocken gefallen.

Rotwasser und Grünauer Bach sind im Mündungsbereich ausgetrocknet (diese fallen in diesem Bereich fast jedes Jahr trocken). Allerdings führt das Rotwasser auch weiter oberhalb entlang der Pulverstampfstraße nur abschnittsweise Wasser, die rechtsseitigen Zubringergräben zum Grünauer Bach führen bei der Stegtorstraße großteils vernachlässigbare Wassermengen, was auch für den Hirschenbach gilt.

Der Halterbach führt im Mündungsbereich noch mehrere Liter Wasser pro Sekunde. Die  meisten Zubringer - darunter auch der Moosgraben - führen allerdings nur noch vernachlässigbare Mengen oder sind gänzlich trocken gefallen.

Die Quellbäche des Lainzer Bachs Katzengraben und Vösendorfer Graben, vermutlich auch der Inzersdorfer Graben, sind trocken gefallen, entsprechend auch der Lainzer Bach fast im gesamten Verlauf.

Der Wienfluss selbst führt noch über 100 l/s, wobei es bedeutende tageszeitliche Schwankungen der Wasserführung gibt und ein nicht unerheblicher Teil des Wassers aus einer Kläranlage bei Untertullnerbach (Niederösterreich) stammt. Nachfolgend ein Bild des Wienflusses bei Hütteldorf:

Wienfluss beim Niedrigwasser 2015 in Wien-Hütteldorf
Wienfluss in Hütteldorf

Bäche im Liesing-Einzugsgebiet

Während die Dürre Liesing im Mündungsbereich trocken gefallen ist - wenige 100 m vor der Mündung in die Reiche Liesing führte sie zum Zeitpunkt der Erkundung noch Wasser -, konnten für die Reiche Liesing in Wien noch mehr als 20 l/s Wasserführung festgestellt werden. Diese entstammen allerdings fast zur Gänze einer Kläranlage bei Breitenfurt-Ost. Der Gütenbach weist im Oberlauf (Seilergraben) bei der Hirschgstemmstraße noch geringfügige Wasserführung auf, ist aber im Bereich des Gütenbachtors bereits trocken gefallen. Auch der Kaisergraben führt bei der Gütenbachstraße kein Wasser mehr. Ebenso sind Knotzenbach, Lindgrabenbach und Asenbauergraben trocken gefallen.

Seite erstellt im September 2015